Roger, die Lehmann Holzwerk AG hat einen enormen Bedarf an Holz. Wie schaffst du es, das ganze Jahr genügend Holz zu beschaffen? 

Übers Jahr gesehen geht die Planung gut auf. Die Schwierigkeit liegt vielmehr darin, dass wir jeden Tag Holz brauchen und die Holzmengen von Wetter- und Umwelteinflüssen abhängig sind. Deshalb müssen wir mit Schwankungen umgehen können. Etwa dann, wenn beispielsweise im Sommer der Borkenkäfer aktiv ist oder wenn es im Herbst heftig stürmt. Oder wenn es lange regnet, kann das Holz nicht abgeführt werden, weil der Boden zu nass ist. Solche Faktoren beeinflussen die aktuell verfügbare Holzmenge unmittelbar und stellen für mich die tägliche Herausforderung dar.

Wie gehst du mit diesem ständig wechselnden Holzangebot um?

Als ich vor einigen Jahren die Verantwortung für den gesamten Rundholzeinkauf übernahm, war die Situation in der Waldwirtschaft sehr angespannt. Die benötigte Menge Rundholz zu beschaffen war alles andere als einfach. So mussten wir das Holz von Chur aus per Bahn nach Gossau transportieren. Das führte zu hohen Transportkosten. Ich habe deshalb unser Einkaufsystem weiterentwickelt und unser Netzwerk aus Holzlieferanten ausgebaut. Mit unseren heutigen Partnern stehe ich in ständigem Kontakt und definiere die wöchentlichen Liefermengen.

«Neben dem Werkstoff an sich interessiert mich die gesamte Wertschöpfungskette rund um das Holz. Wir sind Teil eines sensiblen Systems. Nur wenn wir alle gegenseitig aufeinander eingehen, funktioniert der Kreislauf.»
Nahaufnahme von Roger Wegmüller fahrend im Auto

Hintergrund

Täglich treffen ungefähr 25 Lastwagen-Ladungen Rundholz für das Sägewerk auf dem Erlenhof ein. Organisiert, dirigiert und koordiniert werden diese Holzlieferungen von Roger Wegmüller. Er sorgt dafür, dass im Lehmann Holzwerk jederzeit das geeignete Holz in der richtigen Qualität und in genügender Menge zur Verfügung steht. Beim Treffen mit Holzlieferanten spricht er über seine Aufgaben und die Zukunft von Schweizer Holz.

Welches Holz kaufst du vorwiegend ein und aus welchen Regionen?

Am liebsten würde ich alles Holz aus den Wäldern rund um unser Sägewerk beziehen. Doch das reicht für unseren Bedarf nicht aus. Wir brauchen im Jahr rund 120'000 Festmeter also Kubikmeter Holz. Deshalb kaufe ich vorwiegend Rundholz aus der östlichen Schweiz sowie ungefähr zehn Prozent aus dem süddeutschen Raum und aus Vorarlberg ein. Das Holz aus dem Ausland benötige ich vor allem deshalb, weil wir auch über die Sommermonate mit Rundholz versorgt werden müssen. Für unsere Projekte benötigen wir vorwiegend Nadelhölzer; Fichte und Tanne.

Deine Aufgaben gehen also weit über den Holzeinkauf hinaus?

Man kann sagen, dass ich für den ganzen Bereich Rundholzeinkauf verantwortlich bin. Zu dieser Aufgabe gehört auch die Organisation der Logistik und die Abrechnung, die wir zweiwöchentlich erledigen. Darüber hinaus bin ich in verschiedene Projekte involviert, die letztlich unser Unternehmen weiterentwickeln. So arbeiten wir zum Beispiel zurzeit an verschiedenen Ausbauprojekten in der Holzverarbeitung. Dabei kann ich mein Know-how aus früheren Tätigkeiten in anderen holzverarbeitenden Betrieben einbringen.

Bist du schon seit längerer Zeit in der Holzverarbeitung tätig?

Schon ziemlich lange, ja. Nach meiner Zimmermannslehre absolvierte ich die Technikerausbildung an der Holzfachschule in Biel. Danach führte ich als Betriebsleiter verschiedene Produktionen in der Holzindustrie und übernahm schliesslich beim Lehmann Holzwerk die Funktion als Einkäufer Rundholz.

Was bedeutet dir der Werkstoff Holz?

Ich war schon immer ein Holzwurm. Neben dem Werkstoff an sich interessiert mich die gesamte Wertschöpfungskette rund um das Holz. Wir sind Teil eines sensiblen Systems. Nur wenn wir alle gegenseitig aufeinander eingehen, funktioniert der Kreislauf. Das sehe ich auch immer, wenn ich als Jäger in unseren Wäldern unterwegs bin.

Du sprichst damit auch die Woodvetia-Initiative an, welche die Lehmann Gruppe an den Tagen des Schweizer Holzes aktiv mitgestaltet hatte. Worum geht es dabei?

Die Woodvetia-Initiative nennt sich auch Aktion für mehr Schweizer Holz und will dem Endverbraucher das Schweizer Holz ans Herz legen. Doch es geht um mehr: Die Schweizer Waldfläche nimmt jedes Jahr zu und trotzdem nimmt die Nutzung des Schweizer Waldes ab. Da aber die Nachfrage nach Holz steigend ist, importiert die Schweizer Holzwirtschaft also Händler und Holzbauer viel Holz und Holzwerkstoffe aus dem Ausland. Das müssen wir ändern.

Welche Massnahmen würden die Schweizer Holzindustrie stärken?

Die Sensibilisierung der Endkonsumenten ist sicherlich ein wichtiger Anfang. Daneben müssen jedoch die Vorteile und der wirtschaftliche Aspekt von Schweizer Holz viel stärker in den Vordergrund rücken.

Benedikt Dörig, Forst-Team Haslen

«Für die Holzindustrie genauso wie für die Waldwirtschaft und damit auch für die Schweizer Wertschöpfung ist es enorm wichtig, dass der Wald aktiv bewirtschaftet und verjüngt wird. Im Übrigen sind damit auch viele Arbeitsplätze verbunden. Es sind innovative Ideen gefragt. Zum Beispiel, dass wir Forstbetriebe aktiv auf die privaten Waldbesitzer zugehen und deren Baumbestände bewirtschaften. Der Wald hat verschiedene Funktionen. Er ist nicht nur ein Ort der Erholung oder bietet Schutz vor Lawinen. Unser heimisches Holz ist eine Ressource. Es stellt ein riesiges Potential dar. Es ist wichtig, dass alle, also wir Förster, die Holzindustrie und auch der Endverbraucher, sich für eine gesunde Waldwirtschaft stark machen.»

Wir verwenden Cookies, um Ihr Erlebnis auf unserer Website zu verbessern und Ihnen bei Bedarf die Registrierung zu ermöglichen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Cookie-Richtlinie.